blogage.de > Das Buch Mormon > Eintrag > 26. April 2008 > Hand in Hand
  Anmelden | Login

Die Missionare stellen fest: Die Geschichte des Buches Mormon und die indianischen Überlieferungen gehen Hand in Hand.


In der Südwestindianischen Mission stiegen an einem heißen Sommertag zwei junge Missionare in ihren Lieferwagen und fuhren durch die wunderschöne Arizonawüste. Sie freuten sich ihres Lebens und waren glücklich, daß sie im Werk des Herrn arbeiten durften. Im Tal sahen sie zahllose kleine Staubwirbel über den Salbei ziehen. Neben der Straße hütete ein junges Navahomädchen eine kleine Schafherde. Sie trug eine leuchtend blaue Samtbluse und einen bunten Rock, der bis zu den Knöcheln reichte. Die Missionare waren von der Anspruchslosigkeit dieser Menschen tief berührt.

Der verläßliche Lieferwagen trug sie bald zu der ersten erdbedeckten Navahohütte. Die Hütte sah aus wie ein großer Erdhügel mit einer Tür und einem kleinen Fenster darin. Aus der Ferne konnte man sie nur schwer von dem Erdboden unterscheiden. Als die Missionare auf die Hütte zugingen, bemerkten sie einen leichten Wagen und zwei Pferde, die unter einem schattigen Baum angebunden waren. Sie sahen auch, daß in dem „tsch'ah'oh”, dem Haus unter der Weide, jemand damit begonnen hatte, einen wunderschönen Teppich zu weben.

Sie klopften an die niedrige Tür der kleinen Hütte und wurden in der Navahosprache hereingebeten. Der Seniormissionar konnte sich nur an ein oder zwei Fälle erinnern, wo sie in den zwei Jahren, die sie bei den Navahos missionierten, nicht willkommen waren.

Die beiden Missionare traten in die Hütte und wurden von einem alten Navaho begrüßt. Sie erkannten in ihm einen geistigen Führer, in der Navahosprache „Ha taatii” oder „Sänger” genannt, den die Weißen mit dem Spitznamen „Medizinmann” bezeichnen. Der Alte war sehr freundlich und rief die Familie zusammen, damit sie den Missionaren zuhörte. Sie ließen sich im Kreis in der Hütte nieder, und die Missionare erhielten den Ehrenplatz. Dieser Ehrenplatz war mit einer prächtigen handgewebten Wolldecke bedeckt und lag etwas höher als der Fußboden, auf dem die anderen hockten. Die Familie verhielt sich sehr ruhig und wartete mit funkelnden Augen darauf, daß die Missionare die Geschichte des Buches Mormon erzählten.

Die Versammlung begann mit einem bekannten Lied, dann sprach der jüngere Missionar das Gebet. Danach holte der Seniormissionar aus seiner Aktentasche die Bilder hervor, die er zur Veranschaulichung der Geschichte vorbereitet hatte. Er fühlte sich sehr jung und war sehr aufgeregt, als er daran dachte, daß er einen so bejahrten und weisen Mann wie den Ha taatii belehren sollte. Er erzählte der Familie nun in der Navahosprache von Lehi, der vor vielen Monden mit seiner Familie nach Amerika gekommen war, und von den wunderbaren Berichten, die er mitgebracht hatte und die von unserem himmlischen Vater und der Erschaffung der Erde berichteten. Er erklärte ihnen, dieses Buch Mormon enthalte viele Berichte, die auch im Alten Testament zu finden seien. Er erzählte ihnen auch, ihre Navahovorfahren hätten Jesus Christus, den Sohn Gottes, gekannt und bei Seiner Geburt sei ihnen ein Zeichen gegeben worden, nämlich drei Tage ununterbrochene Helligkeit. Bei Seiner Kreuzigung sei ihnen ein anderes Zeichen erschienen — drei Tage lang habe Finsternis geherrscht, es habe große Verwüstungen gegeben, und das Antlitz der Erde habe sich verändert. Später sei dann dieser Christus, der von den Toten auferstanden sei, ihren Vorvätern in Amerika erschienen und habe sie gelehrt, wie sie leben sollten; und Er habe Seine Kirche unter ihnen gegründet. Danach sei Er von ihnen gegangen, doch Er habe ihnen verheißen, daß Er wiederkommen werde. Der junge Missionar erzählte weiter, die Menschen hätten nach vielen Jahren die Lehren Jesu vergessen und seien sehr böse geworden. Es habe viele Kriege gegeben, und schließlich seien die Nephiten von den Lamaniten vernichtet worden. Er sagte ihnen auch, die heutigen Indianer seien Nachkommen dieser Lamaniten.

Die Missionare erzählten den Indianern auch von Joseph Smith: Wie Jesus und Gott der Vater ihm erschienen sind; wie Jesus zu Joseph Smith gesagt hat, die wahre Kirche sei nicht auf Erden, doch er sei auserwählt, sie wiederherzustellen. Dann gab der Missionar sein Zeugnis; und er sagte ihnen, er wisse, daß diese Dinge wahr seien, das Buch Mormon sei ein wahrer Bericht und die wahre Kirche, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, sei auf Erden wiederhergestellt.

Die indianische Familie lauschte aufmerksam. Der geistige Führer war besonders interessiert und nickte ständig zustimmend. Als der Missionar endete, sagte der alte Navaho aufgeregt: „Haihai bihösin el haihai'hane.” Das heißt übersetzt: „Mit uns ist Wissen, dies ist unsere Geschichte.”

Er fuhr in seiner Sprache fort und sagte den Missionaren, er wisse, daß ihre Geschichte wahr sei. Es sei IHRE GESCHICHTE — die Geschichte der Navahos — dieselbe Geschichte sei unter seinem Volk von Generation zu Generation überliefert worden — bisweilen etwas anders, aber im wesentlichen sei es dieselbe Geschichte. Ihre Vorväter hätten sie auf goldenen und metallenen Platten aufgezeichnet. Die Geschichten sind dem Stamm der Navahos jedoch sehr heilig, und sie erzählen nicht gern viel darüber. Einiges wurde den Missionaren aber erzählt, unter anderem die Geschichte von der Schöpfung, der Sintflut, der Wolke auf dem Berg, von den Kriegen und Auseinandersetzungen mit gewappneten Kriegern, die von einem Mann mit einem großen Schwert oder Speer angeführt wurden (einige sagen, er war weiß). Die Geschichte von den Dine Naakitsäadoah Ndakai (den zwölf Jüngern) war dieselbe: Zwölf Männer gingen unter die Völker und erzählten ihnen vom himmlischen Vater. Als sie den alten Navaho nach den Namen dieser zwölf Jünger fragten, sagte er, diese Namen seien der Überlieferung zufolge sehr heilig und würden nur im Winter ausgesprochen.

Einige der indianischen Überlieferungen nötigten den Missionaren ein Lächeln ab; denn es hatten sich viele falsche Lehren und Fabeln eingeschlichen und die Geschichten völlig verändert.

Welch ein aufregendes Erlebnis war es für die jungen Missionare! Sie fühlten, daß der Geist des Herrn in reichem Maße mit ihnen war, während sie dem bejahrten Navaho zuhörten. Die Stunden verflogen wie Minuten, während der Alte die Geschichte seines Volkes erzählte und von den indianischen Überlieferungen sprach und davon, daß die indianische Geschichte mit der Geschichte im Buch Mormon „Hand in Hand” gehe. Es war wirklich wie die Stimme „eines Totengeistes aus der Erde”. (Jes. 29:4)

Die Missionare verließen die Hütte und gingen den staubigen Pfad zu ihrem Lieferwagen hinab; sie verspürten noch immer den Geist des Herrn, und sie waren sich darin einig, daß es eine wunderbare Gelegenheit sei, unter diesem auserwählten Volk zu arbeiten. Sie wußten, daß die Indianer eines Tages ihre rechtmäßige Stellung als Führer ihres großen Landes wieder einnehmen werden, wie es von den Propheten verheißen ist:

Und das Evangelium Jesu Christi soll unter ihnen verkündigt werden; und so sollen sie wieder zur Erkenntnis ihrer Väter und auch zur Erkenntnis Jesu Christi, die ihre Väter hatten, zurückgebracht werden.

Und dann werden sie frohlocken; denn sie werden wissen, daß es für sie ein Segen aus der Hand Gottes ist; und die Schuppen der Finsternis werden allmählich von ihren Augen fallen: und es werden nicht viele Geschlechter unter ihnen vergehen, bis sie ein weißes und angenehmes Volk sein werden. (2. Ne. 30 : 5, 6)



Von Max B. Elliott, Juni 1969

Querverweise (Trackbacks)



Noch keine vorhanden.

Kommentare Help Feed

Noch keine vorhanden.

Kommentieren


(nicht erforderlich)

Bitte trage den weißen Text in das Textfeld "Code" ein (Spamschutz).

d U 5 M q 3 V